Stellungnahme der Fachschaft Religion der Adam-von-Trott-Schule Sontra

Haltung zeigen – für Menschenwürde, Respekt und Demokratie

Mit großer Bestürzung und Betroffenheit haben wir von der Schändung der Sontraer Stadtkirche erfahren. Dass an einem Ort des Glaubens und der Besinnung Hakenkreuze und weitere menschenverachtende Zeichen hinterlassen wurden, erschüttert uns.

Eine Kirche ist für viele Menschen ein Ort des Friedens, der Begegnung und der Hoffnung. Gerade deshalb trifft eine solche Tat unsere Stadtgemeinschaft in besonderer Weise. Die Verwendung nationalsozialistischer und antisemitischer Symbole ist keine hinnehmbare Form der Meinungsäußerung und auch kein bloßer Akt der Verunstaltung. Sie erinnert an eine Ideologie, die unermessliches Leid, Verfolgung und die Ermordung von Millionen Menschen verursacht hat. Als Fachschaft Religion der Adam-von-Trott-Schule möchten wir deshalb unmissverständlich deutlich machen: Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Form von Menschenverachtung haben keinen Platz in unserer Schule und dürfen auch in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Unsere Arbeit als Religionslehrkräfte ist getragen von der Überzeugung, dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt. Unabhängig von Herkunft, Religion, Weltanschauung oder Lebensweise verdient jeder Mensch Respekt und Anerkennung. Wir verstehen es als einen wesentlichen Auftrag unserer pädagogischen Arbeit, junge Menschen darin zu bestärken, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und einer vielfältigen Gesellschaft offen und respektvoll zu begegnen.

An der Adam-von-Trott-Schule setzen wir uns seit vielen Jahren für eine offene und plurale Schulkultur ein. Dieses Engagement besteht für uns nicht nur aus Worten oder grundsätzlichen Bekenntnissen. Unsere Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich konkret mit jüdischem Leben, mit der Geschichte unserer Region und mit den Folgen von Ausgrenzung, Verfolgung und Diktatur. So haben Schülerinnen und Schüler unserer Oberstufe die Synagoge in Harmuthsachsen besucht und sich mit den Spuren jüdischen Lebens in unserer unmittelbaren Umgebung auseinandergesetzt. Geschichte wird dadurch nahbar – und sie stellt uns zugleich Fragen an unsere Gegenwart.

Mit der kürzlich geschlossenen Kooperationsvereinbarung zwischen der Adam-von-Trott-Schule und dem Verein „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis“ haben wir dieses Engagement bewusst weiter gestärkt. Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern Begegnungen ermöglichen und dazu beitragen, jüdisches Leben, jüdische Geschichte und Kultur nicht nur als Teil einer vergangenen Geschichte wahrzunehmen, sondern als lebendige Wirklichkeit kennenzulernen.

Dabei fühlen wir uns auch in besonderer Weise dem Namen unserer Schule verpflichtet. Adam von Trott zu Solz steht für den Mut, Unrecht nicht einfach hinzunehmen und Verantwortung zu übernehmen. Die Verbindung zu seinem Erbe und die Zusammenarbeit mit der Stiftung Adam von Trott in Imshausen erinnern uns daran, dass Demokratie und Menschenwürde keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie müssen im Alltag gelebt, geschützt und verteidigt werden.

Umso schmerzlicher ist es für uns, dass eine Tat wie diese in unserer Stadt geschehen ist. Gerade jetzt dürfen wir jedoch nicht bei Bestürzung und Fassungslosigkeit stehen bleiben. Die Ereignisse fordern uns dazu auf, unsere Haltung deutlich zu machen und weiterhin daran zu arbeiten, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Überzeugungen oder ihrer Lebensweise ausgegrenzt und herabgewürdigt werden.

Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass Demokratie vom Mitmachen lebt und dass Zivilcourage dort beginnt, wo Menschen nicht wegsehen. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer demokratischen Gesellschaft. Ihre Grenze liegt jedoch dort, wo Hass, Gewalt und Menschenverachtung an die Stelle des respektvollen Miteinanders treten.

Unsere Antwort auf Hass und Ausgrenzung muss deshalb eine klare Haltung sein: Menschenwürde statt Menschenverachtung. Respekt statt Ausgrenzung. Erinnerung statt Vergessen. Verantwortung statt Wegsehen.

Die Schändung der Sontraer Stadtkirche hat uns tief betroffen gemacht. Sie bestärkt uns zugleich darin, unseren Weg weiterzugehen: als Schule und als Religionsfachschaft für eine offene, plurale und demokratische Gesellschaft einzustehen.

Wir wollen nicht wegsehen. Wir wollen nicht schweigen. Wir stehen ein für Menschlichkeit, Vielfalt, Demokratie und die Würde jedes Menschen.

Die Fachschaft Religion der Adam-von-Trott-Schule Sontra

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